10. Februar 2026

Biokohle: Wie ein Zementhersteller aus Thailand Agrarabfall zum zukunftssicheren CO₂-Asset verwandelt

Lesezeit: 5min

Planet2050 nahm mit großer Freude an Talk #1 der International Biochar Asia Pacific Trade Association (IBAP) in Bangkok teil.

Jeff Francisco, unser Lead für die Philippinen, und unser CEO Lucas Zaehringer beteiligten sich aktiv am Austausch mit Teilnehmenden der Siam Cement Group (SCG), des International Rice Research Institute, von Whongphai sowie von lokalen Universitäten.

IBAP ist eine gemeinnützige Plattform, die sich der Bildung, Forschung und praktischen Anwendung von Biokohle widmet. Ziel ist es, die Rolle von Biokohle für eine nachhaltigere Welt zu stärken, indem wichtige Diskussionen in Thailand und ganz Südostasien zusammengebracht werden.

Die finanzielle Chance im Umgang mit Abfällen

Thailand verfügt derzeit über rund 40 Millionen Tonnen ungenutzter Biomasseabfälle, eine enorme, bislang kaum erschlossene Ressource. Bei einer theoretischen Umwandlung könnten daraus etwa 12 Millionen Tonnen Biokohle sowie 16 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente in Form hochwertiger Carbon-Removal-Zertifikate (CO2-Zertifikate) entstehen.

Leider verschärft die derzeit gängige Praxis der Verbrennung dieser Biomasse die regionale PM2.5-Luftverschmutzungskrise erheblich.

Nach der Ernte von Reis, Zuckerrohr und Mais werden hunderte Felder abgebrannt und belasten die Luft mit schädlichen CO₂-Emissionen. Die Umwandlung dieser Abfälle in Biokohle bietet eine doppelte Lösung: Sie eröffnet einen Weg zu profitabler CO₂-Entnahme und verbessert gleichzeitig direkt die lokale Luftqualität.

SCG: Ein 14,5-Milliarden-Dollar-Konzern investiert in Green Tech

Ein Highlight der Veranstaltung war die Präsentation von Sakprayut Sinthupinyo, Director Green Circular Technology bei SCG, einem der führenden Zementhersteller Thailands.

Mit 53.000 Mitarbeitenden und einem Jahresumsatz von 14,5 Milliarden US-Dollar ist SCG ein Gigant in den Bereichen Zementproduktion, Chemie und Verpackung.

SCG-Büros in Bangkok, Thailand. (Quelle: SCG)

Maßstäbe setzen: Netto-Null bis 2050

SCG war das erste Unternehmen in der ASEAN-Region, das sich der Science Based Targets Initiative (SBTi) für den Zementsektor angeschlossen hat und sich ehrgeizige Netto-Null-Ziele bis 2050 gesetzt hat.

Das Unternehmen hat dieses Engagement institutionalisiert, indem es bereits einen internen CO₂-Preis (Internal Carbon Price, ICP) von 25 US-Dollar pro Tonne CO₂ auf alle neuen Investitionsentscheidungen anwendet. Diese finanzielle Disziplin stellt sicher, dass alle neuen Projekte gegenüber zukünftigen CO₂-Preisen resilient sind und mit dem Netto-Null-Ziel 2050 im Einklang stehen.

SCG befindet sich derzeit in einem strategischen Wandel hin zu wachstumsstarken grünen Technologien und nachhaltigen Baumaterialien.

Das Unternehmen hat in mehrere Initiativen in den Bereichen Abfallmanagement, Biomasseenergie, Pellets und Biokohle investiert.

Erste industrielle Biokohle-Anlage in Thailand

SCG betreibt nun die erste Biokohle-Anlage im industriellen Maßstab in Thailand. Die Anlage befindet sich in Saraburi, nutzt Reishülsen als Rohstoff und kann bis zu 3.600 Tonnen Biokohle pro Jahr produzieren.

Biokohle wird sowohl in der Landwirtschaft zur Bodenverbesserung als auch als Zusatzstoff für Beton eingesetzt.

Beide Anwendungen gelten unter dem Puro-Zertifizierungsstandard als permanente Kohlenstoffsenken und generieren hochwertige CO₂-Entnahmezertifikate (Carbon Removal Credits) für den globalen CDR-Markt.

Biokohle-Anwendungen von SCG in Thailand (Quelle: SCG)

Machbarkeitsnachweis: Das „Carbon Sink Road Base“ - Projekt

SCG hat bereits zahlreiche Anwendungen von biochar-angereichertem Beton in seinem gesamten Produktportfolio umgesetzt. Ein zentrales Beispiel dafür ist das Projekt „Carbon Sink Road Base“ von SCG.

Foto der „Carbon Sink Road Base“ (Quelle: SCG)

Auf der Straße Bamrung Sai Chiang Mai–Lumphun wurden auf einer Strecke von 1,2 Kilometern insgesamt 50 Tonnen Biokohle eingesetzt.

Zusätzlich zur CO₂-Entnahme bei der Biokohle-Produktion trug das Projekt dazu bei, die Emissionen beim Bau der Tragschicht um 11 kg CO₂ pro m² zu reduzieren. Insgesamt wurden dadurch 114 Tonnen CO₂ eingespart.

Diese Einsparung entspricht in etwa den Emissionen von rund 1.000.000 mit dem Auto gefahrenen Kilometern und verdeutlicht den realen, messbaren Klimanutzen.

SCG entwickelt außerdem den Einsatz von Biokohle als Leichtzuschlagstoff in vorgefertigten Betonplatten mit Dichten unter 1.800 kg/m³ weiter. Bei optimierter Dosierung kann Biokohle die Frühfestigkeit um über 10 % steigern, was eine schnellere Produktion oder einen geringeren Zementverbrauch ermöglicht und den CO₂-Fußabdruck um mehr als 10 % senkt.

In dieser Form kann die gebundene CO2-Menge die im Beton enthaltenen Emissionen übersteigen, und so leichte, klimaneutrale Betonplatten ermöglichen.

Biokohle in vorgefertigten Betonplatten integriert (Quelle: SCG)

Der Weg nach vorn

Die Zukunft gehört grünen Innovatoren, die die hohen Kosten des Nicht-Handelns erkennen und das, was andere als Belastung sehen, in eine strategische, langfristige Chance verwandeln.

Durch die Skalierung ihrer Aktivitäten in der ASEAN-Region zeigen diese Vorreiter, dass für echte Netto-Null-Ziele sowohl Emissionsreduktion als auch CO₂-Entnahme notwendig sind.

Bei Planet2050 setzen wir uns dafür ein, mit solchen Partnern zusammenzuarbeiten und die passenden finanziellen Ressourcen sowie den Zugang zu den CO2-Märkten bereitzustellen, um sie bei der Skalierung ihrer Aktivitäten zu unterstützen.