15. April 2026

CO2-Zertifikate 2025: Wer hat die meisten genutzt?

Lesezeit: 4min

Der Markt für CO₂-Zertifikate erlebt eine Zeitenwende. 

Es geht nicht mehr um die schiere Menge (Tonnage), die zu einer „veralteten Kennzahl“ geworden ist, sondern um die Qualität und Dauerhaftigkeit der CO₂-Bindung. Diese Verschiebung eröffnet auch für Privatanleger eine neue, zukunftsorientierte Assetklasse.

Welches Unternehmen nutzt in 2025 die meisten CO2-Zertifikate? 

Die Antwort auf die Frage nach dem größten Käufer hängt davon ab, ob man Stilllegungen (Retirer) oder Zukunftsverträge (Offtakes) betrachtet. Hier die wichtigsten Strategien der Top-Player:

1. Die Volumen-Könige (Stilllegungen)

Shell bleibt der größte Einzel-Retirer (Stillleger) von Zertifikaten und neutralisierte im Jahr 2025 insgesamt 9,75 Millionen Tonnen. Obwohl ihr Volumen im Vergleich zu 2024 gesunken ist, dominieren sie den Spotmarkt. Sie nutzen primär naturbasierte Lösungen (REDD+), um unmittelbare Unternehmensziele zu erreichen, „klimaneutrale“ Kraftstoffe (LNG und Benzin) anzubieten und Scope-1- sowie Scope-2-Emissionen auszugleichen.

Nach Bedenken hinsichtlich der Projektqualität vor einigen Jahren verlagert Shell sein Portfolio schrittweise hin zu Entnahmen (Removals) und CO₂-Projekten mit höherwertigen Integritätssiegeln. Weitere Top-Käufer in dieser Kategorie sind Eni, Volkswagen und TotalEnergies.


2. Der Market-Maker (Zukunftsverträge )

Microsoft ist das unangefochtene Schwergewicht im Bereich der CO₂-Entnahme (Carbon Removal) und hat eine Schlüsselrolle bei der Entstehung des Segments für technologische Entnahmen gespielt.

Das Unternehmen gab kürzlich eine Pause für neue Zusagen in diesem Bereich bekannt, um eine strategische Überprüfung des Portfolios durchzuführen, während die Investitionen in naturbasierte Projekte fortgesetzt werden.

Ihre Strategie: Der Wechsel von Spot-Käufen hin zu langfristigen Abnahmeverträgen (Offtakes). Damit finanzieren sie im Wesentlichen die nächste Generation der CO₂-Entnahme – sei es durch die Natur oder durch Abscheidungstechnologien. Da Microsoft primär für die Zukunft kauft, tauchen sie in der Top-10-Liste der im Jahr 2025 stillgelegten Zertifikate nicht auf.


3. Die „Hybrid“-Käufer für Compliance

Es mag überraschen, Unternehmen wie Primax (Kolumbien) oder Guacolda Energía (Chile) in den Top 10 zu finden.

Diese Unternehmen handeln nicht einfach aus Imagegründen „grün“ – sie nutzen freiwillige Zertifikate, um 50 % bis 100 % ihrer nationalen obligatorischen CO₂-Steuern auszugleichen. Sie nutzen den Kohlenstoffmarkt effektiv als regulatorischen Schutzschild. Dies verdeutlicht, wie die Nachfrage zunehmend durch Regulierungen getrieben wird, die CO₂ bepreisen und Emittenten zur Kasse bitten.


4. Das kundenorientierte Modell

Lenovo gehört zu den Unternehmen, die beim Bezahlvorgang einen „CO₂ Offset Service“ anbieten. Auf diese Weise haben sie den Verkauf von zig Millionen Laptops in eine signifikante Gesamtnachfrage nach Zertifikaten umgewandelt, die gezielt den im Material gebundenen Kohlenstoff ihrer Hardware adressiert.


Ist die Tonne tot?


Wenn man den Markt zwischen 2024 und 2026 analysiert, ist die reine Tonnage eine veraltete Kennzahl – als würde man einen Hochgeschwindigkeitswagen mit einem abgenutzten Fahrrad  vergleichen. 

Die Maßeinheit „Tonne" allein ist zwar wichtig, aber längst kein ausreichender Wert mehr.

Die Kennziffer gibt keine Auskunft über die Qualität oder Dauerhaftigkeit der CO₂-Bindung je Zertifikat.


Die relevanten Metriken, auf die wir bei Planet2050 setzen:

  • Vermeidung vs. Entnahme (Avoidance vs. Removal): Verhindert das Unternehmen lediglich, dass Bäume gefällt werden, oder wird CO₂ aktiv aus der Atmosphäre entfernt? Die Stilllegung von 1 Million Tonnen vermiedenen CO₂e ist nicht gleichzusetzen mit 1 Million Tonnen, die durch Abscheidungstechnologien für Jahrtausende gebunden werden.

  • Gewichteter CO₂-Wert: Preis × Tonnen. Die Investition von 50 Mio. $ in langlebige Entnahmen hat eine höhere Marktwirkung als 50 Mio. $ für günstige „Legacy“-Zertifikate aus Altbeständen.

  • Integritätsquote: Da die „Core Carbon Principles“ des ICVCM nun vollständig in Kraft sind, ist die Integritätsprämie Realität. Käufer wie JPMorgan priorisieren Qualität vor schierem Volumen, um Reputationsrisiken zu minimieren.

  • Offtake vs. Spot: Es ist wichtig, zwischen dem Impact zu unterscheiden, der bereits stattgefunden hat und im laufenden Berichtsjahr geltend gemacht wird, und vertraglich gesichertem Kohlenstoff für zukünftige Jahrgänge. Letzteres ist wichtig für die Marktprognose, wurde aber noch nicht geliefert oder für aktuelle Ansprüche genutzt.


Genau so priorisieren wir Projekte bei Planet2050:

  • Mehr CO2 Entnahme als Vermeidungsprojekte

  • Integrität über Volumen

  • Finanzierung von zukünftigen Projekten (Durch Beteiligung oder Offtake) anstatt Spot-Transaktionen

Das Fazit

Der Markt hat sich gespalten. Der Energiesektor führt beim Volumen (um Altlasten abzudecken), während der Technologiesektor beim Wert führt (indem er die Infrastruktur für zukünftige Entnahmen aufbaut).

Vordenker brauchen Kapital: Unternehmen, die langfristige Portfolios aufbauen, setzen heute ihre Wetten, indem sie sich das künftige Angebot an Projekten der nächsten Generation sichern: Projekte mit modernsten Methoden, digitaler Überwachung, hoher Permanenz und anerkannten Integritätssiegeln.

Wer finanziert diese Projekte heute? Vielleicht Sie – indem Sie Aktionär bei Planet2050 werden! Weitere Informationen finden Sie hier.