29. Juni 2026

Wenn der Sport den Planeten fordert: Die unsichtbare Bilanz der Fußball-WM 2026

Lesezeit: 3min

Mit 48 Nationalteams und 104 Spielen setzt die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 neue Maßstäbe im Weltsport. Gleichzeitig bringt das Turnier ökologische Folgen mit sich: Laut aktuellen Prognosen, unter anderem von Scientists for Global Responsibility (SGR) und dem New Weather Institute, könnten die Emissionen bei über 9 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent liegen. Im Vergleich zur WM 2022 in Katar mit rund 3,6 Millionen Tonnen zeigt sich, wie stark sich Format und Austragungsort auf die Klimabilanz auswirken.

Zusammenfassung

  • Die WM 2026 wird mit 48 Teams und Austragung in drei Ländern die größte und emissionsintensivste Weltmeisterschaft bisher.

  • Haupttreiber der über 9 Millionen Tonnen CO2 sind internationale Reisen, insbesondere Flugverkehr. Kritik wächst, da FIFA-Maßnahmen die strukturellen Klimaauswirkungen des Turniers nur begrenzt ausgleichen.

Schätzfrage: 

Wie viele Bäume bräuchte es ungefähr, um die erwarteten CO2-Emissionen der WM 2026 innerhalb eines Jahres aufzunehmen?

A) 4 Millionen

B) 40 Millionen

C) 400 Millionen

D) 4 Milliarden

Die Antwort überrascht viele: Bei einer groben Rechnung mit rund 22 Kilogramm CO2-Aufnahme pro Baum und Jahr ergibt sich eine Größenordnung von rund 409 Millionen Bäumen. Die richtige Antwort liegt also bei C) rund 400 Millionen Bäume. Das zeigt eindrücklich, welche Dimension diese Emissionen haben.


Warum diese WM anders ist

Die WM 2026 ist die größte aller Zeiten. Erstmals nehmen 48 Teams teil, statt bisher 32. Gespielt wird in 104 Partien statt 64, und die Austragung verteilt sich auf drei Länder: die USA, Kanada und Mexiko. Genau diese Struktur macht das Turnier nicht nur sportlich außergewöhnlich, sondern auch klimatisch besonders anspruchsvoll.

Der entscheidende Unterschied liegt vor allem in der Mobilität. Teams, Fans, Medien und Helfer müssen über große Distanzen zwischen den Spielorten reisen. Damit entstehen zusätzliche Emissionen, die weit über den Betrieb der Stadien hinausgehen. Bei einem Turnier dieser Größenordnung ist deshalb nicht nur die Infrastruktur relevant, sondern vor allem die Frage, wie Reisen organisiert und Emissionen reduziert werden können.


Mobilität als Hebel

Ein Großteil der Emissionen entsteht nicht im Stadion selbst, sondern durch Flüge und andere Transportwege. Das macht die WM 2026 zu einem Beispiel dafür, wie eng Sport, Infrastruktur und Klimafragen heute miteinander verbunden sind. Während frühere Turniere oft vor allem über Stadionbau und Energieverbrauch diskutiert wurden, rückt diesmal die globale Mobilität in den Mittelpunkt.


Genau das verändert auch die Debatte über Klimaschutz im Sport. Reine Kompensation reicht bei solchen Großereignissen immer weniger aus, wenn die strukturellen Emissionen so hoch bleiben. Gefragt sind daher realistische Maßnahmen zur Vermeidung und Reduktion von Emissionen - und zwar nicht erst im Nachhinein.

Die Klima-Maßnahmen der FIFA

Die FIFA verfolgt für die Weltmeisterschaft 2026 eine Nachhaltigkeitsstrategie, die im Wesentlichen auf folgenden Maßnahmen basiert:

  • Energieeffizienz: Die FIFA setzt auf Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz in den Stadien.

  • Erneuerbare Energien: Es ist der Einsatz von regenerativen Energiequellen vorgesehen.

  • Mobilitätsmanagement: Angesichts der hohen CO2-Belastung durch den Flugverkehr zwischen den drei Gastgeberländern umfasst die Strategie Konzepte zur Steuerung und Reduktion der Reisebewegungen von Teams, Fans und Medien.

  • Klimaziele: Über die konkrete WM hinaus hat sich die FIFA verpflichtet, ihre Emissionen bis 2030 um 50 Prozent zu senken und bis 2040 eine Netto-Null-Bilanz zu erreichen.

UNFCCC Sports for Climate Action Framework, dem sie 2018 als Unterzeichner beigetreten ist. Im Rahmen dieses Abkommens verpflichtete sich die FIFA, ihre Emissionen bis 2030 um 50 % zu senken und bis 2040 Netto-Null zu erreichen, was im Einklang mit den Zielen des Pariser Abkommens von 2015 steht


Kritik: Unabhängige Studien und Berichte kritisieren jedoch, dass diese Maßnahmen angesichts der strukturellen Expansion des Turniers auf 48 Teams und der damit verbundenen Abhängigkeit vom Flugverkehr oft nicht ausreichen, um die negativen Klimaeffekte der Veranstaltung substanziell auszugleichen.

Was das über die Zukunft zeigt 

Die WM 2026 ist mehr als ein Sportereignis. Sie zeigt, wie groß die Herausforderung wird, wenn globale Events in einer Welt stattfinden, die auf Klimaneutralität zusteuert. Künftig wird entscheidend sein, ob es gelingt, solche Veranstaltungen klimaverträglicher zu planen – durch kürzere Wege, bessere Verkehrskonzepte, effizientere Infrastruktur und glaubwürdige Klimastrategien.

Für Sportveranstaltungen wie die Fußball-WM bedeutet das: Die Klimabilanz wird nicht länger ein Nebenthema sein, sondern ein zentraler Teil der Planung. Wer die Zukunft des Sports verstehen will, muss deshalb auch seine Emissionen verstehen.


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Stay ahead of the market

  • View the report here at Scientists for Global Responsibility (SGR), “The 2026 FIFA Men’s World Cup to Be the Most Polluting Ever”; New Weather Institute, “FIFA’s Climate Blind Spot: The Men’s World Cup in a Warming World SBTi Corporate Net-Zero v2

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