Von Esther, LATAM Managerin bei Planet2050
Zusammenfassung
Skalierbarer Zugang zu Lieferketten: Mobile Pyrolysetechnologie wird direkt in globale Kaffee-Lieferketten integriert, gemeinsam mit Partnern wie Nespresso, SENA und dem Schweizer Händler Migros.
Hochwertige CO2-Entnahme: Schnittgut und Kaffeepulpe werden in Pflanzenkohle umgewandelt, das CO2 dauerhaft bindet und gleichzeitig Bodenfruchtbarkeit und Erträge verbessert.
Zweckmäßiges dMRV: Offline-fähige mobile Tools ermöglichen eine transparente, nachvollziehbare Verifizierung nach internationalen Carbon-Standards.
Wie ein dezentrales Pflanzenkohle-Projekt Wirkung vor Ort schafft
Bei Planet2050 wollen wir hochwertige, dauerhafte CO2-Entnahmeprojekte identifizieren, die reale Wirkung entfalten.
Um zu verstehen, wie CO2-Entnahme vor Ort auf einer Plantage funktioniert, haben wir Cotierra besucht, einen 2023 gegründeten Schweizer Climate-Tech-Pionier, der in Kolumbiens Kaffeeregionen aktiv ist.
Entlang globaler Kaffee-Lieferketten fallen Millionen Tonnen landwirtschaftlicher Abfälle an, insbesondere Baumschnitt und Kaffeepulpe - das fruchtige Außenfleisch der Kaffeekirsche. Die Abfälle werden bisher meist offen verbrannt oder verrotten. Offenes Verbrennen erzeugt gefährlichen Rauch und birgt Waldbrandrisiken, während verrottende Kaffeepulpe Treibhausgase wie Methan freisetzt und der Abfall bis zu zwei Jahre zur Zersetzung benötigt.
Cotierra setzt hier direkt an: Mobile Technologie auf den Plantagen wandelt Kaffeeabfälle in Pflanzenkohle um, eine stabile Form von Holzkohle, die durch Pyrolyse entsteht. Pflanzenkohle bindet Kohlenstoff über Jahrhunderte und verbessert darüber hinaus geschädigte Böden.
Wir zeigen, wie Cotierra mit seinem lokalen, mobilen Pyrolyse-Modell die Vorteile für eine dauerhafte Kohlenstoffbindung, unmittelbare Bodensanierung und direkte finanzielle Auszahlungen für Kaffeefamilien verbindet.
Aus Kaffeeschnittabfällen entsteht Pflanzenkohle. Vermengt mit Kaffeepulpe wird daraus eine Mischung für langfristige Kohlenstoffbindung und gesündere Böden. Foto: Planet2050
Klimatechnologie für anspruchsvolle Agrarlandschaften
Bei unserem Besuch in der Nähe von Manizales, Kolumbien, konnten wir erleben, wie Cotierra seine Technologie an steile, schwer zugängliche Bergregionen anpasst:
Mobile Pyrolysereaktoren: Automatisierte Anlagen mit intelligenter Luftzufuhr halten die optimale Pyrolysetemperatur von 700 bis 750 °C. Ein Reaktor kann auf einer Plantage demontiert, über kurvige Feldwege zu einer benachbarten Plantage transportiert werden. Mithilfe eines mechanischen Flaschenzugs ist der Aufbau in weniger als drei Stunden getan.
Lokaler Anlagenbetreiber, Pflanzenkohle-Säcke und das Cotierra-Team beim Transport eines mobilen Pyrolyseofens zu einer nahegelegenen Plantage. Foto: Planet2050
Cotierra startete mit klassischen Kon-Tiki-Öfen: mobil, nahezu rauchfrei und leicht genug für steile Berghänge. Schrittweise kommen eigene mobile Versionen mit höherer Leistung sowie integrierter Methan- und Temperaturüberwachung hinzu.
„Wir bringen diese Technologie direkt aufs Land, damit Bauern Holzabfälle aus dem Kaffeeanbau in Bodengold verwandeln können. Wir verbessern die Bodenfruchtbarkeit, beseitigen Feldabfälle ohne Rauch und bringen echte Technologie in ländliche Kaffeegemeinden.“
Liliana Arango, COO, Cotierra Colombia
Lokale Betreiber betonen die einfache und sichere Handhabung:
„Die Cotierra-Trainer haben mir gezeigt, wie alles funktioniert und wie ich die App bediene. Ich hatte es sofort verstanden. Es dauert etwa 20 Minuten, 300 bis 400 Holzstücke einzufüllen, und der Brennvorgang ist in weniger als drei Stunden abgeschlossen. Es ist sauber, sicher und wird während der Arbeit nicht zu heiß.“
Lokaler Reaktorbetreiber
„Traditionelles Verbrennen im Freien ist sehr anstrengend: Ein Haufen kann 20 Tage oder einen Monat brennen ... Mit dem Kon-Tiki dauert es nur ein paar Stunden am Tag und dann ist es erledigt. Man sieht sofort den Fortschritt, das Gestrüpp verschwindet und es gibt kaum Rauch.“
Lokaler Kaffeebauer
Direkte wirtschaftliche Wirkung und widerstandsfähigere Böden für Kaffeebauern
Neben einer sauberen Luft erhalten Bauern auch einen direkten finanziellen Anreiz von 12.000 COP (ca. 3,87 USD, Stand September 2026) pro 80-Liter-Sack produzierter Pflanzenkohle:
Tagesverdienst: Jeder Brennvorgang erzeugt 3 bis 4 Säcke. Bei 2 bis 3 Brennvorgängen täglich, also insgesamt 6 bis 12 Säcken, verdienen Arbeiter zusätzlich 72.000 bis 144.000 COP pro Tag (ca. 23,23 bis 46,45 USD).
Lokaler Kontext: In Kolumbien, wo der monatliche Mindestlohn bei etwa 1,3 Mio. COP (ca. 419 USD) liegt, können diese Zahlungen das übliche Tageseinkommen während mehrwöchiger Verarbeitungsphasen verdoppeln oder verdreifachen.
Neben den Geldzahlungen bietet die gemeinsame Kompostierung von Pflanzenkohle und Kaffeepulpe unmittelbare agronomische Vorteile:
„Wenn Kaffeepulpe allein zersetzt wird, verliert sie Nährstoffe und Volumen, weil Wasser und Gase entweichen. Wird aber die Pflanzenkohle beigemischt, dann wirkt sie wie ein Schwamm, der Nährstoffe bindet und im Boden hält. Eine einzige Pflanzenkohle-Anwendung kann den Boden 20 Jahre lang regenerieren und nähren.“
Fabio Andrés, Umwelttechniker, SENA (kolumbianischer nationaler Berufsbildungsdienst)
Lokaler Hofbetreiber sammelt Kaffeeschnitt für die mobile Pflanzenkohle-Produktion. Foto: Planet2050
Transparente digitale Verifizierung für globale Kohlenstoffmärkte
Cotierra arbeitet nach dem Artisan C-Sink Standard, zertifiziert durch Carbon Standards International, und plant bis 2027 den Übergang zu Methoden wie Isometric.
Um die Datenintegrität in abgelegenen Regionen sicherzustellen, nutzt Cotierra eine offline-first digitale MRV-Pipeline:
„Wir führen auf jedem Hof praktische 1-zu-1-Schulungen durch. Die Betreiber protokollieren jeden Brennvorgang, erfassen die Feuchtigkeit und machen geo-getaggte Fotos mit der PlantVillage-App. Weil die Mobilfunkverbindung in den Bergen lückenhaft ist, funktioniert die App vollständig offline und synchronisiert die Daten automatisch mit zentralen Datenbanken, sobald die Betreiber in der Stadt wieder Empfang haben.“
Cristian Franco, Gebietsvertreter, Eje Cafetero
Warum der Ansatz von Cotierra eine spannende Richtung für Carbon Finance ist
Cotierra zeigt mit 800 registrierten Farmen in vier kolumbianischen Regionen, von denen 200 aktiv Pflanzenkohle produzieren, wie schnell Carbon Finance innerhalb landwirtschaftlicher Lieferketten skaliert werden kann.
Wir bei Planet2050 sehen in diesem Projekt ein vielversprechendes Vorbild für vier grundlegende Prinzipien der CO2-Entnahme:
Integrierte Einbindung: Nahtlos in zentrale Wertschöpfungsketten der Agrar- und Lebensmittelwirtschaft integriert.
Hohe Qualität: Dauerhafte, wissenschaftlich fundierte CO2-Entnahme, verifiziert durch digitales MRV.
Greifbare Zusatznutzen: Höhere Bodenfruchtbarkeit, geringere Abhängigkeit von synthetischen Düngemitteln und weniger Luftverschmutzung vor Ort.
Faire Einkommensverteilung: Direkte finanzielle Zahlungen, die ländliche Lebensgrundlagen spürbar stärken.
Unsere Perspektive
Bei Planet2050 sind wir überzeugt: Der CO2-Markt benötigt, um glaubwürdig zu sein, vor allem messbare Wirkung (Qualität) und Transparenz. Wie am Beispiel von Cotierra gezeigt, gibt es solche Klimaprojekte. Das sind die Projekte, die sichtbar gemacht werden müssen, um den heutigen CO2-Markt zu erklären.
So entsteht ein Markt, der Investoren, dem Klima und den Gemeinschaften vor Ort gleichermaßen nützt. Das ist unsere Mission.
____
Immer einen Schritt voraus mit Planet2050
Du betreibst ein CDR-Klimaprojekt und suchst Finanzierung? Jetzt hier bewerben!
Möchtest du zukünftig erfahren, wie diese neue Nachfrage den Markt für CO2-Entfernung verändert? Dann abonniere unseren Planet2050-Newsletter und bleibe informiert.