12. Februar 2026

Biokohle: Vom Agrar-Abfall zur Anlageklasse - Teil #1 unserer Serie “CDR-Methoden im Fokus”

Lesezeit: 16min

SPOTLIGHT-SERIE ZUR ENTFERNUNG VON KOHLENDioxid: #1 BIOKOHLE

In unserer neuen Serie “Spotlight  - Methoden zur CO2-Entfernung" erklären wir anschaulich für Käufer und Investoren die komplexen Methoden zur Kohlenstoffentfernung. Diese Methoden sind die Voraussetzung, um CO2-Zertifikate zu generieren, die dem Markt als Carbon Removal Zertifikat (CDR) zum Kauf für Unternehmen und Regierungen zugeführt werden. Ziel: Net Zero. 

Inzwischen hat eine Tonne CO2 einen Preis. Für Käufer und Verkäufer von CO2-Zertifikaten damit berechenbar und handelbar. Damit hat es CO2 geschafft, aus der grünen Nische heraus zu einem Kapitalmarktprodukt zu werden. Seitens Planet2050 machen wir diese CO2-Assetklasse investierbar. Durch Transparenz und Qualität.

Zur Orientierung: Eine Tonne CO2-Gas entspricht einem Würfel von 8 Metern oder der  Menge CO₂, die bei einem Flug von Berlin nach New York und zurück pro Passagier entsteht.

Wir starten die Serie mit der Vorstellung der Methode Biokohle.

Erfahren Sie, wie sie funktioniert, warum Investoren sie im Blick haben und welche Marktdynamiken vorherrschen.

Mit Blick auf das Jahr 2026 hat sich der Markt für CO₂-Entfernung (CDR) von einer wissenschaftlichen Zukunftsvision zu einer realen Anwendung entwickelt. Führend ist dabei die Biokohle-Kohlenstoffentfernung (BCR), ein Verfahren, das andere nachhaltige Technologien hinsichtlich Effizienz, Zuverlässigkeit und Marktvolumen kontinuierlich übertrifft.

Wir von Planet2050 arbeiten weltweit mit einem Dutzend Biokohle-Projektentwicklern zusammen, die Projektfinanzierungen oder gemeinsame Projektentwicklungen anstreben.

Für private und institutionelle Anleger gleichermaßen stellt Biokohle eine einzigartige Verbindung von traditionellem Wissen und moderner Klimafinanzierung dar. Deshalb ist BCR die sofort einsatzbereite Schlüsseltechnologie für den Übergang zur Klimaneutralität.

Was ist Biokohle?

Biokohle ist ein stabiles, kohlenstoffreiches Material, das durch Erhitzen von Biomasse in einer sauerstoffarmen Umgebung hergestellt wird. Dieser Prozess wird als Pyrolyse bezeichnet.

  • Die Ursprünge: Die Technologie ist zwar modern, das Konzept reicht jedoch Tausende von Jahren zurück. Schwarzerdeböden des Amazonas, wo indigene Gemeinschaften durch das Vergraben von verkohlter organischer Substanz extrem fruchtbares Land schufen.

  • Das Verfahren: Im Gegensatz zur Holzverbrennung (bei der CO₂ freigesetzt wird) wird der Kohlenstoff bei der Pyrolyse in fester Form gebunden. Dabei entstehen wertvolle Nebenprodukte: Synthesegas und Wärme (die für erneuerbare Energien genutzt werden), sowie Bioöl, einem Vorprodukt für nachhaltige Kraftstoffe.

  • Ausgangsmaterialien: Biokohle kann aus fast allen organischen Abfällen hergestellt werden, darunter landwirtschaftliche Reststoffe (Maishülsen, Reisstroh), forstwirtschaftliche Abfälle und sogar städtische Holzabfälle.

Wie funktioniert Pyrolyse?

Die Biomasse wird in einen Reaktor mit begrenztem Sauerstoffgehalt gegeben und auf Temperaturen zwischen typischerweise 350 °C und 700 °C erhitzt. Vorteil: die Biomasse entzündet sich nicht. Stattdessen zerfallen die chemischen Bindungen innerhalb der organischen Substanz in drei verschiedene Phasen:

  • Feststoff: Biokohle (der Kohlenstoff-"Schwamm").

  • Flüssigkeit: Bioöl (kann zu Kraftstoffen oder Chemikalien raffiniert werden).

  • Gas: Synthesegas (wird oft zurückgeführt, um den Reaktor mit Energie zu versorgen, wodurch der Prozess sich selbst erhält).

So wird aus Agrar-Abfall ein CO2-Zertifikat

Wie wird aus einem Stück schwarzer Biokohle ein CO₂-Zertifikat? Warum wirkt sich Biokohle so positiv auf die Bodengesundheit aus? 

Lebenszyklus: Pflanzen nehmen beim Wachsen CO₂ auf. Wenn Pflanzen absterben und verrotten, setzen sie das CO2 wieder frei. Wenn Agrarabfälle aber gesammelt und in einem Reaktor im Pyrolyseverfahren zu Biokohle umgewandelt werden, wird die Freisetzung von CO2 verhindert.

Nach gängigen Standards entspricht eine Tonne Biokohle typischerweise etwa 1,5 bis 2,5 Tonnen CO₂, die der Atmosphäre entzogen werden. Da dieser Kohlenstoff chemisch stabil ist, bleibt er über Hunderte, ja sogar Tausende von Jahren gebunden.

Finanzieller Mehrwert: Zertifikate sind Beschleuniger der CO2-Entfernung

Derzeit ist die Herstellung von Biokohle im industriellen Maßstab erfordert derzeit erhebliche Investitionen und verursacht in den meisten effizienten Anlagen Kosten zwischen 140 € und 200 € pro Tonne.

Dieser Preis ist allein für eine wirtschaftliche Nutzung derzeit noch zu hoch, insbesondere in Schwellenländern, wo Anwendungsbereiche, Akzeptanz und Marktreife von Biokohle noch in der Entwicklung sind und die Zahlungsbereitschaft für Boden verbessernde Mittel gering ist.

In dieser frühen Phase ist der Bau von professionellen technischen Pyrolyseanlagen für den Projektentwickler nicht wirtschaftlich. Die Preise dafür liegen je nach Kapazität zwischen 250.000 - 15 Mio. Euro. Dabei liegen die Kapazitäten der für das Pyrolyseverfahren benötigten Biomasse-Kapazitäten zwischen 300 - 100.000+ Tonnen. Das reine Endprodukt Biokohle sowie die Nebenprodukte Bio Öl und Bio-Gas generieren alleine keine Kostendeckung.

Es klafft eine große Finanzierungslücke zwischen der ausgereiften Methode Biokohle zur dauerhaften Entfernung von CO2-Entfernung,  sowie der wirtschaftlichen Rentabilität. Genau dieses Problem lösen CO2-Zertifikate. Sie bilden die notwendige Brücke. Dies geschieht durch Gutschriften, die auch als „Kohlenstoffdioxid-Entfernungszertifikate“ (Carbon Removal Credits, CRD-Zertifikate) bezeichnet werden. Praxis: Die Qualität des Endproduktes Biokohle wird von einem externen Verifizierung Standard wie Puro oder Verra geprüft und zertifiziert. Dafür untersucht und misst der Verifizierer die Menge des aus der Atmosphäre entnommenen CO2’s. 

Ein CO2- Entfernungzertifikat entspricht einer Tonne nachweislich aus der Atmosphäre entfernten und gespeicherten Kohlendioxid 

Entsprechen die Testergebnisse den hohen qualitätsstandards, erhält der Hersteller von Biokohle die für den Kapitalmarkt benötigten CO2-Entfernungszertifikate für seine Produktion, die er am freiwilligen CO2-Markt (VCM) verkaufen kann. 

Takeaway: Die Monetarisierung der permanenten CO₂-Bindung durch hochwertige Zertifikate dient der Quersubventionierung. Die CO2-Zertifikate schließen die Lücke  zwischen Produktionskosten und lokalen Marktpreisen. Auf diese Weise wird der ökologische Wert der Biokohle in ein handelbares Klimagut überführt, was dem Projekt eine sofortige Skalierung ermöglicht und dessen Finanzierbarkeit während der gesamten Marktentwicklung gewährleistet.


Biokohle-Zertifizierungsstandardschafft Transparenz und Vertrauen

Integrität ist die Währung des Kohlenstoffmarktes (Carbon Market). Im Jahr 2026 werden gleich mehrere solide Rahmenwerke die „Gütesiegel“ für die Kohlenstoffentfernung mittels Biokohle unter den führenden CO2- Zertifizierungsstandards bereitstellen:

  • Puro.earth: Marktführer für technische CO₂-Entfernungen und Aussteller von CORCs (CO₂ Removal Certificates) für verifizierte, dauerhafte CDR-Projekte.

  • Carbon Standard International (CSI): Pionier bei kleinskaligen und handwerklichen Biokohle-Produktionsmethoden zur Generierung von CO₂-Senke-Zertifikaten.

  • Isometric: Hochintegriertes Register mit wissenschaftlich fundiertem digitalem Monitoring für CDR-„verifizierte Gutschriften“.

  • Verra: einer der weltweit führenden Standardsetzer im freiwilligen Kohlenstoffmarkt und hat mit der Biokohle-Methodik VM0044 einen hochintegren Ansatz entwickelt. 

  • Rainbow: ein europäisches Kohlenstoffregister mit Schwerpunkt auf Kreislaufwirtschaft, Bioenergie und technischer Kohlenstoffentfernung, einschließlich Biokohle.

  • BioCarbon: kolumbianischer Standard mit Schwerpunkt auf naturbasierten Lösungen und Biodiversität, kürzlich um die Biokohle-Methodik VM0038 für dauerhafte CO₂-Entnahme erweitert.

Biokohle - ein von der EU anerkanntes CO2-Entfernungsverfahren

Biokohle ist ein von der EU offiziell anerkanntes Verfahren zur dauerhaften CO₂-Entfernung. Am 3. Februar 2026 verabschiedete die Europäische Kommission die ersten Zertifizierungsregeln im Rahmen der Verordnung zu Kohlenstoffentnahme und Kohlenstofflandwirtschaft (CRCF). Diese stuft Biokohle (BCR) als zuverlässige Methode ein und ersetzt damit fragmentierte private Standards durch einen einheitlichen, staatlich abgesicherten Qualitätsrahmen.


Wichtige EU-Kriterien (QU.A.L.ITY):

Die Verordnung legt klare Schutzmaßnahmen fest, um Vertrauen zu schaffen:

  • Quantifizierung: Genaue Messung der gebundenen CO₂-Mengen.

  • Zusätzlichkeit: Nur Projekte zählen, die ohne Förderung nicht entstanden wären.

  • Langzeitspeicherung: Die Speicherung von CO2 muss für mindestens 200 Jahre garantiert sein.

  • Nachhaltigkeit: Fünfjährige Rezertifizierung und strenge Umweltprüfungen.


Dieser Schritt behebt langjährige Unsicherheiten im Biokohle-Markt und schafft klare Regeln für Investoren – ein Meilenstein, der den Sektor in Europa stark voranbringt.

Arten der Biokohleproduktion

Derzeit werden auf dem Markt zwei unterschiedliche Produktionsphilosophien verfolgt:

Artisan Biokohle

Biokohle lässt sich dezentral und gemeinschaftlich produzieren. Typischerweise kommen hierbei kleinere, kostengünstigere Technologien wie „Flame Cap“- oder „Kon-Tiki“-Öfen zum Einsatz, die von Kleinbauern betrieben werden.

Obwohl die Produktionskapazität nicht mit der einer Fabrik vergleichbar ist, punktet diese Methode durch ihre soziale Wirkung: Sie schafft zum einen fruchtbare Böden, zum anderen fördert sie lokale Initiativen und den Wissensaustausch in der Kommune zu  dem damit verbundenen Nutzen.

Diese Projekte verwenden häufig landwirtschaftliche Agrarabfälle, die bisher im Freien verbrannt oder auf Deponien entsorgt werden. Dabei stellt die Verbrennung eine Hauptursache für lokale Luftverschmutzung dar.

Indem lokale Gemeinschaften befähigt werden, ihr eigenes „schwarzes Gold“ , die Biokohle, zu erzeugen, bieten diese Pyrolyse-Projekte einen hohen Mehrwert: sie unterstützen gleich mehrere UN-Nachhaltigkeitsziele (SDGs).

  • SDG 3: Gesundheit und Wohlergehen – Reduziert Feinstaub und toxische Emissionen durch Vermeidung der offenen Verbrennung.

  • SDG 7: Bezahlbare und saubere Energie – Erzeugt nutzbare Wärme/Energie aus Biomasse-Resten während der Pyrolyse.

  • SDG 2: Kein Hunger – Verbessert Bodenfruchtbarkeit und Erträge durch Biokohle als Dünger.

  • SDG 13: Maßnahmen zum Klimaschutz – Bindet CO₂ dauerhaft und schafft Kohlenstoffspeicher.

  • SDG 8: Wohlstand und Arbeit – Ermöglicht Einkommen für Kleinbauern durch Verkauf von Biokohle/Zertifikaten.

  • SDG 15: Leben an Land – Fördert nachhaltige Landwirtschaft und Biodiversität durch Bodenregeneration.

Diese Mehrwertwirkung macht Biokohle zu einem SDG-Multiplikator für lokale Gemeinschaften. Dadurch stellt Biokohle skalierbare Investitionen mit hohem ökologischen und sozialen Nutzen dar.

Industrielle Biokohle

Industrielle Biokohle wird in großtechnischen Anlagen produziert, die oft automatisiert und kontinuierlich laufen. Diese Anlagen sind so konstruiert, dass die Gewinnung von Nebenprodukten wie Synthesegas, Bio-Öl und Wärme, optimiert wird, was zusätzlich die Wirtschaftlichkeit und Gesamteffizienz deutlich steigert.

Die industriellen Anlagen arbeiten in einem geschlossenen Kreislauf und steuern Temperaturen präzise, um höchste Qualitätsstandards bei der Karbonisierung sicherzustellen. Für Investoren liegt der Hauptvorteil in der angewandten MRV-Technologie (Monitoring, Reporting, Verification): Sensoren liefern Echtzeitdaten zu jedem produzierten Gramm Kohlenstoff und machen diese Projekte durch ihre Transparenz zur Qualität zum Goldstandard für großvolumige CO₂-Entfernungskontrakte mit Unternehmen. 

Anwendungsbereiche: Jenseits des Bodens

Biokohle wird neben ihrer Fähigkeit CO2 zu speichern zwar traditionell als Bodenverbesserungsmittel eingesetzt, ihre Vielseitigkeit ist jedoch ein wesentlicher Faktor für das Marktwachstum dieser Methode.

  • Landwirtschaft: In der Landwirtschaft steigert Biokohle Ernteerträge um 13%, den organischen Kohlenstoffgehalt des Bodens um 28–39% und die Wasserretention um bis zu 30%.

  • Bauwesen: Im Bauwesen kann die Zugabe von nur 1% Biokohle zu Beton jährlich 0,5 Gigatonnen CO₂ binden und so den ökologischen Fußabdruck der Branche um 20 % reduzieren.

  • Infrastruktur: Biokohle wird in Asphalt- und Wasserfiltrationssystemen untergemischt um kohlenstoffintensive Materialien zu ersetzen.

  • Absorbiert CO2 und Schadstoffe.

Preisgestaltung für die Kohlenstoffbindung durch Biokohle

Die Preise für Biokohle zur CO₂-Entfernung können je nach Quelle stark variieren, da der „Preis“ nicht nur die Herstellungskosten von Biokohle umfasst. Der Preis  ist vielmehr ein komplexes Signal, das die Wirtschaftlichkeit der Produktion mit der Glaubwürdigkeit der CO₂-Bilanzierung und dem Lieferrisiko verknüpft. Die folgende Tabelle vergleicht Preis und Nachhaltigkeit gängiger CO₂-Entfernungsmethoden auf Basis öffentlich zugänglicher Marktdaten und Beobachtungen von Planet2050.

Was ein Biokohle-"Preis" wirklich darstellt

Der Preis für die Kohlenstoffbindung durch Biokohle umfasst mehr als nur die Produktionskosten der Biokohle. Er fasst mehrere Elemente in einer einzigen Zahl zusammen:

  • Die physikalische Umwandlung von Biomasse in stabilen Kohlenstoff

  • Die Qualität der produzierten Biokohle und ihre Beständigkeitsgarantie

  • Die Kosten für Messung, Berichterstattung und Überprüfung der Menge des entfernten CO₂

  • Das Risiko, dass der Kohlenstoffgehalt überschätzt wird oder nicht dauerhaft ist

  • Der Zeitpunkt der Lieferung (bereits entfernt vs. für die Zukunft versprochen)

  • Die Glaubwürdigkeit des Standards, der den Kredit ausgibt

Unterschiedliche Datensätze legen den Schwerpunkt auf unterschiedliche Aspekte dieses Pakets, weshalb die Preise auf den ersten Blick inkonsistent erscheinen können.

Warum die Preise für Biokohle unterschiedlich sind

Die Preise für Biokohle-Zertifikate sind nicht einheitlich; sie variieren je nach Zeitpunkt des Erhalts. Sofortlieferungen sind besser planbar als langfristige Verträge. Auch die Herstellungsmethode spielt eine Rolle: Industrielle Großprojekte gelten als zuverlässiger – und daher teurer – als kleinere, manuelle Betriebe.

Schließlich führen bessere Daten zu höheren Preisen, da Käufer bereit sind, für Zertifikate mit hoher Datenintegrität, die die tatsächliche und sichere Speicherung des Kohlenstoffs belegen, einen Aufpreis zu zahlen.

Die Rolle von Normen bei der Preisgestaltung

Zertifizierungsstandards (Organisationen) sind das Mittel, mit dem Integrität in durchsetzbare Regeln übersetzt wird. Sie legen keine Preise fest, prägen aber Kostenstrukturen und das Vertrauen der Käufer. Die Qualitätsvorgaben fordern:

  • konservative Annahmen über Beständigkeit,

  • detaillierte Lebenszyklusemissionsmodellierung,

  • strenge Kriterien für die Nachhaltigkeit der Rohstoffe

  • häufige Überprüfung durch Dritte.

Strengere Standards erhöhen zwar die Kosten für Projektentwicklung und -prüfung, reduzieren aber gleichzeitig das Risiko für den Käufer, minderwertige CO2-Zertifikate zu erwerben. Diese Risikominderung ermöglicht oft höhere Preise oder langfristige Lieferantenbeziehungen. Daher können zwei Biokohle-Zertifikate zu unterschiedlichen Preisen gehandelt werden, selbst wenn der zugrunde liegende Biokohle ähnlich aussieht.

Der Standard spiegelt wider, welche Qualität der Käufer erhält. Eines der deutlichsten Beispiele für den Einfluss von Standards auf die Preisgestaltung liefert Puro.earth. Puro konzentrierte sich frühzeitig auf die technische CO₂-Entfernung und stellte nach festgelegten Methoden Carbon Removal Certificates (CORCs) aus. Dies ermöglichte es dem Unternehmen im Laufe der Zeit, transparente Marktpreisreferenzen zu veröffentlichen, darunter den von der Nasdaq verwalteten CORCCHAR-Biokohle-Index.


Im Jahr 2025 bewegten sich die CORCCHAR-Preise (Puro-Standard-Transaktionen) stabil zwischen 125 und 145 US-Dollar pro Tonne CO₂. Dies liegt daran, dass die Biokohle-Index-Berechnung (CORC) von Nasdaq sich primär auf bereits nahende, kurzfristige Lieferungen (≤182 Tage) konzentriert und dadurch weniger Schwankungen aufweist als langfristige Verträge.

Die Marktchance: Wachstum in Zahlen

Der Markt für Biokohle-Kohlenstoffentfernung (BCR) hat seit seinem Beginn in den Jahren 2020-2021 ein beeindruckendes Wachstum verzeichnet. Basierend auf Daten von CDR.FYI.

Der BCR-Markt hat seit seinem Start in den Jahren 2020/21 ein beeindruckendes Wachstum verzeichnet. Laut Daten von CDR.FYI wuchs der Markt für BCR von 14,6 Mio. US-Dollar im Jahr 2022 auf 33,9 Mio. US-Dollar im Jahr 2023, in 2024 sogar auf  181,5 Mio. US-Dollar. Dies entspricht einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate (CAGR) von 131,6 %.

CDR.fyi berichtet außerdem, dass Biokohle Carbon Removal (BCR) mit 290 verschiedenen Käufern die mit Abstand am häufigsten genutzte CO2- Entfernungsmethode bei vertraglich vereinbarten Kreditverkäufen ist – fast fünfmal so viele wie bei der zweithäufigsten Entsorgungsmethode. Die durchschnittliche Abnahmemenge pro Käufer und Jahr ist von 542 Tonnen im Jahr 2022 auf 762 Tonnen im ersten Halbjahr 2025 gestiegen.

Was Investoren interessiert

  • Angebotsknappheit

Ende 2025 waren bereits über 90 % der verfügbaren industriellen Biokohle-Lieferungen an Großabnehmer wie Microsoft, Google und JPMorgan vertraglich gebunden. Angesichts des begrenzten Angebots besteht die einzige Möglichkeit, sich große Mengen an Biokohle-Zertifikaten zu sichern, darin, entweder große Abnahmeverträge zu kündigen oder jetzt in neue Produktionskapazitäten zu investieren, um die zukünftige Lieferung zu gewährleisten.

  • Niedrige Markteintrittsbarriere

Im Gegensatz zur direkten CO₂-Abscheidung aus der Luft (DAC), die Milliardeninvestitionen erfordert, können Biokohleprojekte kleinmaßstäblich und modular realisiert werden. Mittelgroße Industrieanlagen weisen im Vergleich dazu oft einen Investitionsbedarf von unter 1,5 Millionen US-Dollar auf. Dies macht die Biokohle-Abscheidung zum bevorzugten Einstiegspunkt für CO₂-Investoren.

  • Umsatzstapelung

Biokohle-Produzenten verkaufen nicht nur CO₂-Zertifikate, sondern auch den Biokohle selbst, zusätzlich zu den Nebenprodukten Wärme und das Bioöl. Diese diversifizierten Einnahmen machen diese Projekte widerstandsfähiger als reine CO₂-Entfernungstechnologien.

CDR-Käufer: Wer treibt den Markt an?

Der Markt für Biokohle ist kein Nischenbereich mehr, sondern ein experimentelles Feld. Er wird von einer Vielzahl von fast 300 verschiedenen Abnehmern angetrieben, wobei einige wenige Branchenriesen den Ton angeben. Nachfolgend die Rangliste der Biokohle-Abnehmer präsentiert von CDR.fyi im September 2025.

Die Käufer-Schwergewichte

  • Microsoft: Sicherte sich 2025 mit Exomad Green den bisher größten Biokohle-Vertrag der Geschichte: 1,24 Millionen Tonnen CO₂-Entfernung über 10 Jahre – ein Meilenstein für industrielle Skalierung.

  • Google: Verpflichtet sich zu ca. 200.000 Tonnen und integriert Biokohle in seine „Netto-Null bis 2030“-Strategie als Schlüssel für CDR-Lösungen.

  • Finanz- und Beratungsdienstleistungen: JPMorgan Chase, BCG, Swiss Re und Nasdaq sind Großabnehmer. Bei Swiss Re machen Biokohle-Zertifikate 99% ihres CDR-Portfolios aus – aus gutem Grund: Biokohle bietet derzeit die kosteneffizienteste Lösung für nachweislich dauerhafte CO₂-Entfernung.

Wichtigste Trends für 2026

  • Integration der Wertschöpfungskette

    Unternehmen wie Louis Dreyfus Company beziehen Biokohle direkt aus ihren landwirtschaftlichen Lieferketten – ein 5-Jahres-Vertrag über 6.000 Tonnen jährlich mit Varaha reduziert Scope-3-Emissionen effektiv.

  • Marktliquidität

    Die Laufzeit von Kredit bis Rückzahlung sank von 95 Tagen (2021) auf nur 22 Tage (Mitte 2025), - ein klarer Hinweis auf einen hochliquiden, effizienten Markt.

  • Terminkontrakte

    Käufer lassen Spotkäufe („Was vorrätig ist“) hinter sich und sichern sich via Abnahmeverträge die Produktion von CO2-Entnahmezertifikaten für Jahre voraus. Dies ist essenziell in einem verknappenden Markt.

Fazit: Eine Investition, die sofort einsatzbereit ist

Für Planet2050 stellt die Kohlenstoffentfernung mittels Biokohle den pragmatischsten Weg zur Entfernung von Kohlenstoff im Gigatonnen-Maßstab dar. Sie ist kosteneffizient, technologisch erprobt und bietet erhebliche Vorteile für die Ernährungssicherheit und industrielle Innovationen. Da der Markt bis 2030 voraussichtlich ein Volumen von 3 Milliarden US-Dollar erreichen wird, schließt sich das Zeitfenster für eine frühzeitige Beteiligung rasch. Biokohle ist nicht länger nur ein „grünes“ Projekt – sie ist ein Eckpfeiler der entstehenden Kreislaufwirtschaft für Kohlenstoff.


Takeaway: Biokohle ist derzeit die pragmatischste Option unter den langlebigen CDR-Methoden. Der Markt ist jedoch noch jung und unterliegt regulatorischen Änderungen.