9. Juni 2026

CDR in Lateinamerika: Der Investitionsfahrplan für die Skalierung

Lesezeit: 4min

Der Carbon Business Council (CO2BC) hat einen wegweisenden Bericht veröffentlicht: „Latin America Carbon Dioxide Removal Investment Roadmap“. Diese strategische Ressource bietet einen Fahrplan für Lateinamerika als führende Region für hochwertige CO2-Entnahme weltweit und als Schlüsselregion zum schließen der globalen Emissionslücke. 

Zusammenfassung

  • CDR ist entscheidend, um die bis 2050 verbleibende jährliche Emissionslücke von 24–27 Gigatonnen CO2e zu schließen.

  • Lateinamerika verfügt über 25% der globalen Waldfläche und ist damit strategisch gut für CDR-Lösungen positioniert.

  • Das Wachstum wird durch ein „zirkuläres finanzielles Korsett“ gebremst, da Marktmechanismen allein nicht ausreichen.

  • Die Finanzierungslücke erfordert gezielte Risikoverteilung, passende politische Maßnahmen und kombinierte Finanzierungsstrukturen.

Der Hintergrund: Warum jetzt?

CDR ist notwendig, um die Net-Zero-Ziele bis 2050 zu erreichen, da reine Emissionsreduktionen nicht ausreichen, um verbleibende Emissionen aus schwer vermeidbaren Sektoren auszugleichen.

Der Climate Action Tracker zeigt, dass die Emissionslücke für einen 1,5°C-Pfad bei 24 bis 27 Gigatonnen CO2-Äquivalent pro Jahr liegt.


Mit 25% der weltweiten Waldflächen sowie produktiven landwirtschaftlichen und bergbaulichen Flächen ist Lateinamerika besonders gut positioniert, um die Nachfrage nach dauerhafter CO2-Entnahme zu decken. Der Bericht betont, dass maßgeschneiderte Lösungen notwendig sind: Ohne gezielte Risikoverteilung, politische Unterstützung und angepasste Kapitalstrukturen können Marktmechanismen allein keine nachhaltige Umsetzung ermöglichen.

Wer steht hinter dem Bericht?

Der Fahrplan ist das Ergebnis eines achtmonatigen strukturierten Dialogs der Latin America Carbon Removal Working Group, einberufen vom Carbon Business Council. Die Gruppe vereint Projektentwickler, Finanzinstitutionen, Unternehmen und Experten entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Zu den wichtigsten Beteiligten gehören BBVA, Boomitra, Carbonfuture, Cercarbono, Exomad Green, Future Climate Group, Howden, InPlanet, KfW, Kita Earth, Mitsubishi Corporation do Brasil, Mombak, Remove, Silica und Tierra Prieta.


Mechaniker an einer Biochar-CDR-Anlage. (Foto: Carbon Business Council)

Das Kernproblem: Eine "systematische Sackgasse"

Das zentrale Hindernis für die Skalierung von CDR in Lateinamerika ist finanzieller, nicht technischer Natur. Ein „zirkuläres finanzielles Korsett“ blockiert das Wachstum trotz technischer Reife: Käufer warten auf politische Rahmenbedingungen; Banken warten auf vertraglich gesicherte Einnahmen; Entwickler warten auf Kapital; und Regierungen warten auf Marktnachweise.

Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, fordert der Bericht eine gezielte Finanzarchitektur mit Fokus auf kombinierte Finanzierung (blended finance) und Planungssicherheit durch mehrjährige Abnahmeverträge.

Sechs zentrale Erkenntnisse

Die CO2BC-Arbeitsgruppe identifiziert sechs grundlegende Faktoren

  1. Verlässliche Nachfrage und Planungssicherheit sind entscheidend für die Finanzierbarkeit von Projekten, die derzeit von einem kleinen freiwilligen Markt abhängen.

  2. Das Hauptproblem ist von finanzieller Natur, da Projekte oft zu groß für frühes Eigenkapital, aber zu riskant für Banken sind („valley of death“).

  3. Eine gestaffelte Kapitalstruktur (z. B. katalytisches Kapital) ist notwendig, um frühe Risiken abzufedern.

  4. Staatliche Politik und Finanzierung müssen gezielte Instrumente schaffen, etwa öffentliche Beschaffung oder Reverse Auctions.

  5. Eine unabhängige Dateninfrastruktur (dMRV) ist wichtig, um Risiken für Investoren zu senken und Kosten zu reduzieren.

  6. Höhere Kapitalkosten in Lateinamerika erfordern Absicherungsmechanismen, z. B. Garantien von multilateralen Entwicklungsbanken.

Portfolio an CDR-Lösungen

In Lateinamerika dominieren naturbasierte und technologische Lösungen wie Biochar und Enhanced Rock Weathering (ERW).

Die Region kann in diesen Bereichen zum Goldstandard werden:

  • Biomassebasierte Entnahme (Biochar, BECCS) - nutzt landwirtschaftliche Reststoffe.

  • Geochemische Entnahme (ERW) - nutzt geologische Ressourcen und den Bergbau.

  • Naturbasierte Lösungen (Aufforstung, Blue Carbon) - fokussieren sich auf langfristige Speicherung im Amazonasgebieten und an Küsten.

Der Aktionsplan: Pilot- und Leuchtturmprojekte

Der Fahrplan sieht drei zentrale Projekte bis 2030 vor, die globalen Kreditgebern als 'Proof of Concept' dienen sollen:

  1. Amazonas: Fokus auf hochwertige Aufforstung und Bodenkohlenstoff.

  2. Anden: Fokus auf Mineralisierung und geothermische Lösungen.

  3. Südlicher Kegel: Skalierung von Biochar und landwirtschaftlichem ERW.

Institutionelle Grundlagen bestehen bereits, etwa durch Käuferinitiativen wie South Poles TechGen, die bereits CO2-Entnahmen aus Lateinamerika einkaufen.

Bunte Häuser in Guanajuato, Mexiko. (Foto: Carbon Business Council)

Regionale Vorreiter und Marktfortschritte

Projekte in Lateinamerika sichern bereits großvolumige, langfristige Abnahmeverträge:

  • Bolivien: Exomad Green betreibt die weltweit größte Biochar-Anlage und hat einen 10-Jahres-Vertrag mit Microsoft über 1,24 Millionen Tonnen abgeschlossen.

  • Brasilien: Mombak hat über 200 Mio. USD eingesammelt und Verträge über 150 Mio. USD mit Google, Microsoft und Meta abgeschlossen. InPlanet führt ERW-Projekte an.

  • Mexiko: Tierra Prieta betreibt eine zertifizierte Biochar-Anlage, Boomitra hat 3,03 Mio. Boden-Kohlenstoff-Zertifikate wurden ausgegeben, und Silica entwickelt neue Messmethoden mit vulkanischem Gestein.

Der Bericht hebt außerdem fünf Fokusländer hervor: Brasilien, Mexiko, Kolumbien, Peru und Chile, wobei Brasilien die beste Bewertung erhält.

CDR-Fokusländer in Lateinamerika (Quelle: Carbon Business Council)

Ausblick

Politisch wird CO2-Entnahme zunehmend stärker berücksichtigt. Brasilien integriert sie in sein Emissionshandelssystem (SBCE), Chile erkennt BECCS und DAC offiziell an, und Kolumbien sowie Mexiko entwickeln entsprechende Rahmenwerke.

Lateinamerika verfügt über die natürlichen Ressourcen; Planet2050 schafft die finanzielle Infrastruktur, um das Potenzial der Klimaprojekte umzusetzen.

Wie Planet2050 diese Lücke schließt

Planet2050 setzt den Fahrplan praktisch um, indem es eine digitale Finanzarchitektur aufbaut, um die „systemische Sackgasse“ zu überwinden. Dies geschieht durch drei Säulen:

  • CDR-Beschaffung: Verbindung von Projekten mit globalen Käufern.

  • Vorfinanzierung: Bereitstellung von Kapital für frühe Projektphasen.

  • dMRV-Arbeitsgruppe: Aufbau von Transparenz und Datenqualität.


Lateinamerika hat die natürlichen Voraussetzungen; Planet2050 schafft die finanzielle Struktur für globale CO2-Entnahme.

  • Zum vollständigen Report "Carbon Dioxide Removal in Latin America" geht es hier.

Die berühmte Escadaria Selaron-Treppe in Rio de Janeiro besteht aus bunten Keramikfliesen aus aller Welt. (Foto: Report “Carbon Dioxide Removal in Latin America)

_____

Immer einen Schritt voraus mit Planet2050